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Chronische Migräne: Leben mit Schmerzen

Ein Alltag bestimmt von fast ständigen Kopfschmerzen? Das können sich die meisten Menschen kaum vorstellen. So geht es Schätzungen zufolge jedoch ca. 1,5 Mio. Menschen in Deutschland, die unter chronischer Migräne leiden. Durch die Häufigkeit und Intensität sind die Kopfschmerzattacken nicht nur eine starke körperliche, sondern auch seelische Belastung, die die Lebensqualität Betroffener enorm vermindert. Auch im Beruf sind Menschen mit Migräne durch häufige Krankschreibungen stark beeinträchtigt.

Ab wann ist eine Migräne chronisch?

Migräne wird als chronisch klassifiziert, wenn innerhalb der letzten drei Monate an mindestens 15 Tagen Kopfschmerzen, oder an mindestens 7 Tagen Migräne, aufgetreten sind. Ein weiteres Kriterium ist das vorherige Bestehen einer episodischen Migräne. Für die Diagnosestellung müssen außerdem andere in Frage kommende Ursachen für die Kopfschmerzen ausgeschlossen werden.2

Beschwerden bei chronischer Migräne

Symptome und typische Begleiterscheinungen

Charakteristische Symptome einer Migräneattacke sind mittlere bis schwere, meist pulsierende oder pochende Schmerzen im Stirn- und Schläfenbereich. Die Schmerzen treten dabei oft einseitig auf und werden schon durch normale körperliche Aktivität verstärkt. Typische Begleiterscheinungen sind Appetitlosigkeit, Übelkeit sowie Geräusch- und Lichtempfindlichkeit, sodass Betroffene sich bei Migräneanfällen häufig in ein abgedunkeltes Zimmer zurückziehen. Attacken dauern meist zwischen 4 und 72 Stunden und führen zu einer starken Einschränkung im Alltag. Insbesondere bei chronischer Migräne ist, durch die Häufigkeit des Auftretens und die damit verbundenen Krankmeldungen, kaum eine normale Berufsausübung möglich, was für Betroffene eine zusätzliche Belastung darstellt.3,6

Wer ist betroffen?

Migräne ist eine der häufigsten Ursachen für starke Kopfschmerzen, von welcher etwa 10-15 % der Menschen in Deutschland betroffen sind. Meist treten Migräneattacken nur episodisch auf. 0,2-1,5 % der Menschen weltweit leiden jedoch unter chronischer Migräne mit Attacken mehrmals wöchentlich. Frauen sind dabei rund 4x häufiger betroffen als Männer. 80 % der Patienten mit chronischer Migräne leiden aufgrund der starken seelischen Belastung zusätzlich an psychischen Begleiterkrankungen, wie Depressionen oder Angststörungen. Die Ursachen einer Migräne sind sehr individuell. Schlafverhalten, Ernährung, Stress und hormonelle Veränderungen können eine Rolle spielen. Starkes Übergewicht, traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit sowie multiple Schädel-Hirn-Traumen wurden als Risikofaktoren für die Entwicklung chronischer Migräne identifiziert.2,9

Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch

In der Akuttherapie von Attacken werden sowohl bei episodischer als auch bei chronischer Migräne, zunächst Analgetika und nicht-steroidale Antirheumatika, wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol, eingesetzt. Bei schweren Anfällen und wenn Analgetika in der Behandlung keine Wirkung zeigen, haben sich Triptane als wirkungsvoll erwiesen. Diese Medikamente helfen Betroffenen zwar meist gut ihre Schmerzen in den Griff zu bekommen, sie können Patienten mit häufigen Migräneattacken jedoch zum Verhängnis werden. Wer über mindestens drei Monate hinweg, an mehr als 10 Tagen im Monat Analgetika, oder an über 15 Tagen, Triptane einnimmt, riskiert die Entwicklung sogenannter Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerzen.4,6,7 Bei schätzungsweise 2/3 der Migränepatienten liegt aufgrund der häufigen Kopfschmerzen ein Übergebrauch von Schmerzmitteln oder Migränemedikamenten vor. Besonders gefährdet sind Menschen, die neben der Migräne an einer weiteren Schmerzerkrankung leiden.2,7 Leidet ein Migränepatient an zunehmend längeren oder häufigeren Kopfschmerzattacken und muss mehr Medikamente einnehmen, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen, liegt die Diagnose Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz nahe.4 Eine umfassende Aufklärung zu verwendeten Medikamenten, sowie regelmäßige Kontrollen durch den behandelnden Arzt, können helfen, einen Medikamentenübergebrauch zu vermeiden.

Bei häufig auftretender Migräne werden verschiedene Medikamente zur Vorbeugung von Attacken eingesetzt. Verschiedene Betablocker, Calciumantagonisten und Antikonvulsiva haben sich dabei bewährt. Bei chronischer Migräne, sowohl mit als auch ohne Medikamentenübergebrauch, hat sich die Behandlung mit Topiramat oder Onabotulinumtoxin A als wirksam erwiesen. Onabotulinumtoxin A, allgemein bekannt als Botox, wird im Bereich der Stirn, Schläfen, Nacken oder Schultern injiziert, und konnte bei Patienten mit chronischer Migräne die monatlichen Kopfschmerztage signifikant vermindern und deren Lebensqualität deutlich verbessern.9 Für die bestmögliche Wirkung bei der Vorbeugung von Migräneattacken, sollte die medikamentöse Prophylaxe mit nicht-medikamentösen Methoden kombiniert werden. Regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungsverfahren oder Schmerzbewältigungstraining werden dabei angewendet.2,5,8,10

Diagnose

Schätzungen zufolge haben nur 1/5 der Menschen mit chronischer Migräne eine Diagnose für ihre Erkrankung erhalten und viele Patienten werden erst nach mehreren Arztgesprächen richtig diagnostiziert. Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Ursachen häufiger Kopfschmerzen, um die richtige Behandlung einleiten zu können. Insbesondere die Abgrenzung von Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch zu chronischer Migräne ist schwierig. Das Führen eines Migränetagebuchs, in dem Kopfschmerztage und Medikamenteneinnahme festgehalten werden, kann bei der Diagnosestellung und Bestimmung einer adäquaten Behandlung hilfreich sein.1

Migräne kann unterschiedliche Auslöser haben. Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs kann helfen besser zu verstehen, welche individuellen Auslöser deine Attacken haben könnten. Stress aber auch das Essverhalten und Blutzuckerschwankungen sind hierfür Beispiele. Ein besseres Verständnis dieser Faktoren ist die Grundlage, um durch Verhaltensänderungen aktiv Einfluss auf deine Migräne zu nehmen.

Neben Verhaltensänderungen kann eine Migräne auch durch eine medikamentöse Prophylaxe behandelt werden. Durch die Medikamente kann die Häufigkeit von Attacken mit Auren reduziert werden.6 In Bezug auf eine Akutmedikation wird bei Migräne mit Aura empfohlen, Triptane erst nach dem Abklingen der Aura und mit dem Einsetzen der Kopfschmerzen einzunehmen. Das erhöht die Sicherheit der Triptane und deren Wirksamkeit.6,7,8

Fazit

Chronische Migräne ist eine seltene Form der Migräne, die durch Kopfschmerzen an über 15 Tagen bzw. Migräne an über 7 Tagen im Monat charakterisiert ist. Die Intensität und Häufigkeit der Kopfschmerzattacken führen zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit von Betroffenen. Häufige Kopfschmerzen und die damit verbundene, vermehrte Medikamenteneinnahme steigern zudem das Risiko, Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch zu entwickeln. Zur Behandlung von Migräne stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, welche je nach individueller Verträglichkeit und Wirksamkeit eingesetzt werden. Bei chronischer Migräne kommen zusätzlich medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren zur Prophylaxe zum Einsatz, um die Häufigkeit von Attacken zu reduzieren.

Über die Autorin

Wiebke Diederich

Wiebke studiert Ernährungswissenschaften im Master und ist seit Januar 2022 als Praktikantin bei Perfood. In ihrem Studium konnte sie viel über die Effekte von Ernährung und Lebensstil auf die Entstehung verschiedenster Erkrankungen lernen. Ihre Begeisterung für die Einflüsse der Ernährung auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden möchte sie gerne mit euch teilen.

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