sinCephalea

Migräne: Ursachen und wie du sie verhindern kannst

Das Wochenende steht vor der Tür und nach einer Woche Regen ist endlich Sonne angekündigt! Freitagabend sind Strandtasche und Picknickkorb schon gepackt, damit es Samstag direkt losgehen kann. Und dann – wachst du mit Migräne auf. Es herrscht tatsächlich herrlichster Sonnenschein, deine Freunde fahren auch zum See und du? Schließt die Gardinen wieder und verbringst den Rest des Tages, wenn nicht sogar das ganze Wochenende, im abgedunkelten Zimmer.

Was ist Migräne? Wer ist betroffen?

Kommt dir bekannt vor? So wie dir geht es mehr als jedem 10. Erwachsenen, denn 10-15% der Bevölkerung leiden unter regelmäßigen Migräneattacken (Yoon et al. 2012). Migräne ist eine Erkrankung, die sich in erster Linie durch langanhaltende Kopfschmerzen auszeichnet. Dabei dauern die Migräneanfälle normalerweise bis zu 72 Stunden und sind häufig nur mit Medikamenten auszuhalten. Die Kopfschmerzen verstärken sich meistens, wenn Patienten während der Attacke Licht oder Geräuschen ausgesetzt sind und auch Bewegung verschlimmert die Symptome (Goadsby et al. 2017).

Viele Betroffene sind neben den Kopfschmerzen auch von Begleitsymptomen betroffen. Nicht selten geht ein Migräneanfall mit Übelkeit und Erbrechen einher oder wird von einer Aura begleitet. Rund ein Drittel der Patienten haben Aura-Symptome wie Sprachstörungen oder Sehstörungen, die den Kopfschmerzen vorausgehen (Goadsby et al. 2017). Tritt die Aura auf, hat die Migräneattacke bereits begonnen. Einige können den Migräneanfall zu diesem Zeitpunkt noch mit Medikamenten wie Ibuprofen, ASS oder Triptanen oder hoch dosierten Nahrungsergänzungsmitteln wie Magnesium abmildern oder die Begleitsymptome wie beispielsweise Übelkeit lindern. Die Therapie ist aber sehr individuell und jeder Betroffene muss mit seinem behandelnden Arzt die für sich besten Wirkstoffe finden.

Von Migräne sind Personen jeder Altersklasse betroffen, Frauen jedoch rund 5 Mal so häufig wie Männer (Ärzteblatt 2019).

Biologische Ursachen von Migräne

Migräne kann verschiedenste Ursachen haben und leider sind diese auch noch nicht vollständig verstanden. Wie auch in der Therapie, scheinen die individuellen Ursachen auch sehr unterschiedlich zu sein. Generell scheinen Genetik und Umweltfaktoren eine Rolle zu spielen.

Veränderungen im Gehirn scheinen auch Migräneattacken auslösen zu können. Diskutiert werden sowohl Interaktionen mit dem Trigeminusnerv, einem wichtigen Schmerzweg, oder auch ein Ungleichgewicht von Serotonin, das hilft, Schmerzen in Ihrem Nervensystem zu regulieren.

Andere Neurotransmitter spielen wahrscheinlich ebenso eine Rolle bei den Schmerzen der Migräne, darunter das Calcitonin-Gen-Related Peptide (CGRP).

Migräne durch Stress

Migräne kann auch durch bewussten oder unbewussten Stress ausgelöst werden. Bewusster Stress sind zum Beispiel belastende Lebensereignisse oder Schicksalsschläge, bei denen du die Belastung und den Stress deutlich spürst. Sehr einschneidende Erlebnisse können Migräne übrigens so stark fördern, dass aus einer episodischen Migräne eine chronische Form werden kann. Aber auch täglicher Ärger oder ein eng getakteter Terminkalender können unbewusst Dauer-Stress auslösen, der eine Migräneattacke auslösen oder die Symptome verstärken kann. Migräneattacken durch Stress sind besonders ungünstig, da sie in Situationen auftreten, in denen man eigentlich leistungsfähig und fit sein müsste, im (Arbeits-)Alltag kurz vor wichtigen Projektabschlüssen oder auch bei der Organisation des eigenen runden Geburtstags. Bei so klaren Zusammenhängen liegt es nahe, dass stressmindernde Maßnahmen wie Entspannungsübungen oder eine Abgabe von Aufgaben an andere Personen die Migräne und ihre Symptome mildern kann (Stubberud et al. 2021).

Andersherum wird auch häufig das Phänomen beobachtet, dass eine Migräneattacke erst auftritt, wenn das Stresslevel sinkt, der Projektabschluss also beispielsweise geschafft ist oder die Arbeitswoche beendet ist und das entspannte Wochenende startet (Lipton et al. 2014).

Migräne durch Blutzucker-Schwankungen

Studien haben gezeigt, dass es direkte Zusammenhänge zwischen erhöhten oder erniedrigten Blutzuckerspiegeln und Migräne gibt (Siva et al. 2018; Gruber et al. 2010). Der Blutzucker wird vor allem durch kohlenhydratreiche Mahlzeiten, aber auch durch Sport oder Medikamente beeinflusst. Ein Ansteigen und Abfallen des Blutzuckers ist normal, wie hoch er steigt und wie tief er fällt, ist aber je nach Mahlzeit und vor allem bei jeder Person unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, dass Migräniker versuchen, ihren Blutzucker so stabil wie möglich zu halten. Eine solche Ernährung senkt nachweislich die Schmerzintensität und die Attackenfrequenz (Evcili 2018).

Das kannst du gegen Migräne tun

Unter bestimmten Umständen (beispielsweise, wenn du an mindestens drei Tagen pro Monat an Migräne leidest, generell in deinem Alltag sehr stark von seiner Migräne eingeschränkt bist oder auf deine Akuttherapie nicht gut ansprichst), bekommt man von seinem Arzt auf Wunsch eine pharmakologische, also medikamentöse, Prophylaxe verschrieben. Medikamente gehen jedoch häufig auch mit Nebenwirkungen einher, weshalb Prophylaxen häufig auch wieder gewechselt oder abgesetzt werden müssen. Auch ist die Wirksamkeit bei Patienten unterschiedlich, da die Prophylaxe auf die individuellen Symptome abgestimmt werden muss. Deshalb kann häufig auch deshalb ein Wechsel notwendig sein (Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) 2018).

Nicht-medikamentöse Prophylaxen sind in der aktuellen Therapie eher selten, zeigen bei vielen Betroffenen aber Wirkung (Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) 2018). Die Einnahme von Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel, Muskelrelaxation, Yoga oder moderater Ausdauersport gehören zu den Lebensstilanpassungen, die viele Migräniker einsetzen. Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Nicht nur wie erklärt hat der Zucker einen Einfluss, auch die Trinkmenge und regelmäßiges Essen sind wichtig; das Migräne-Gehirn braucht regelmäßig Sauerstoff und Energie.

Migräne: Ursachen erkennen und vorbeugen

Die genauen Auslöser für deine Migräneattacken kannst du nur für dich selbst herausfinden. Ein Wetterwechsel von Regen auf Sonne, von Tiefdruck auf Hochdruck, kann bei vielen Patienten mit Migräne eine Attacke auslösen.

So gemein es ist: ausschlafen am Wochenende, wenn du unter der Woche früh aufstehst, kann auch zu einem Migräneanfall führen. In solchen Fällen ist es ratsam, auch am Wochenende einen Wecker zu stellen und den Rhythmus der Woche möglichst beizubehalten.

Mithilfe eines Ernährungstagebuches kannst du beobachten, ob deine Migräne durch bestimmte Lebensmittel getriggert wird oder ob du möglicherweise zu wenig trinkst. Ein direkter Zusammenhang zwischen ausreichender Trinkmenge (2-3L pro Tag) und einer Verbesserung der Migräne wurde bereits wissenschaftlich erwiesen (Spigt et al. 2012). Ob bestimmte Lebensmittel Auslöser von Migräneattacken sein können, ist noch nicht abschließend erforscht. Wahrscheinlich ist auch hier eine starke Individualität zwischen den Betroffenen, sodass du es nur für dich selbst herausfinden kannst. Genauso verhält es sich beim Fasten oder Auslassen von Mahlzeiten. Viele, aber nicht alle, Migräniker reagieren auf längere Zeiten ohne Essen mit einem Migräneanfall (Martins-Oliveira, Tavares, and Goadsby 2021; Gazerani 2020).

Mit sinCephalea kannst du herausfinden, ob deine Ernährung möglicherweise zu starken Blutzuckerschwankungen führt und deine Migräne dadurch ausgelöst oder deine Migräneanfälle verstärkt werden.

Durch gezieltes Vorbeugen kannst du Attacken vermeiden oder die Symptome zumindest mildern und somit häufig auch deinen Bedarf an Schmerzmitteln verringern. Und last but not least kannst du dann auch mehr am sozialen Leben teilnehmen und konzentrierter und besser Arbeiten.

Kurzes Fazit:

Du bist weder mit deiner Migräne, noch mit deinen Schmerzen und Symptomen alleine. Medikamente können als Prophylaxe deutliche Erleichterung bringen, aber auch Änderungen an deinem Lebensstil wie Sport, Entspannungsübungen oder Ernährungsanpassungen können große Veränderungen bewirken. So individuell wie du ist auch deine Migräne in ihren Ursachen und Symptomen – und dementsprechend auch deine notwendige Therapie.

Literatur:

Ärzteblatt, Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches. 2019. “Migräne trifft Frauen fast fünfmal so häufig wie Männer.” Deutsches Ärzteblatt. June 13, 2019. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/103830/Migraene-trifft-Frauen-fast-fuenfmal-so-haeufig-wie-Maenner.

Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN). 2018. “Therapie Der Migräneattacke Und Prophylaxe Der Migräne.” AWMF 030-057.

Evcili, Gökhan. 2018. “Early and Long Period Follow-up Results of Low-Glycemic Index Diet for Migraine Prophylaxis.” Ağrı – The Journal of The Turkish Society of Algology. https://doi.org/10.5505/agri.2017.62443.

Gazerani, Parisa. 2020. “Migraine and Diet.” Nutrients 12 (6): 1658. https://doi.org/10.3390/nu12061658.

Goadsby, Peter J, Philip R Holland, Margarida Martins-Oliveira, Jan Hoffmann, Christoph Schankin, and Simon Akerman. 2017. “Pathophysiology of Migraine: A Disorder of Sensory Processing.” Physiological Reviews 97 (2): 553–622. https://doi.org/10.1152/physrev.00034.2015.

Gruber, H-J, C Bernecker, S Pailer, G Fauler, R Horejsi, R Möller, A Lechner, F Fazekas, and M Truschnig-Wilders. 2010. “Hyperinsulinaemia in Migraineurs Is Associated with Nitric Oxide Stress.” Cephalalgia 30 (5): 593–98. https://doi.org/10.1111/j.1468-2982.2009.02012.x.

Lipton, Richard B., Dawn C. Buse, Charles B. Hall, Howard Tennen, Tiffani A. DeFreitas, Thomas M. Borkowski, Brian M. Grosberg, and Sheryl R. Haut. 2014. “Reduction in Perceived Stress as a Migraine Trigger.” Neurology 82 (16): 1395–1401. https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000000332.

Martins-Oliveira, Margarida, Isaura Tavares, and Peter J. Goadsby. 2021. “Was It Something I Ate? Understanding the Bidirectional Interaction of Migraine and Appetite Neural Circuits.” Brain Research 1770 (November): 147629. https://doi.org/10.1016/j.brainres.2021.147629.

Siva, Zeynep Oşar, Derya Uluduz, Fatma Ela Keskin, Feyza Erenler, Huriye Balcı, Uğur Uygunoğlu, Sabahattin Saip, Baki Göksan, and Aksel Siva. 2018. “Determinants of Glucose Metabolism and the Role of NPY in the Progression of Insulin Resistance in Chronic Migraine.” Cephalalgia 38 (11): 1773–81. https://doi.org/10.1177/0333102417748928.

Spigt, Mark, Nico Weerkamp, Jaap Troost, Constant P. van Schayck, and J. André Knottnerus. 2012. “A Randomized Trial on the Effects of Regular Water Intake in Patients with Recurrent Headaches.” Family Practice 29 (4): 370–75. https://doi.org/10.1093/fampra/cmr112.

Stubberud, Anker, Dawn C. Buse, Espen Saxhaug Kristoffersen, Mattias Linde, and Erling Tronvik. 2021. “Is There a Causal Relationship between Stress and Migraine? Current Evidence and Implications for Management.” The Journal of Headache and Pain 22 (1): 155. https://doi.org/10.1186/s10194-021-01369-6.

Yoon, M-S, Z Katsarava, M Obermann, G Fritsche, M Oezyurt, K Kaesewinkel, A Katsarova, I Santowski, H Diener, and S Moebus. 2012. “Prevalence of Primary Headaches in Germany: Results of the German Headache Consortium Study.” The Journal of Headache and Pain 13 (3): 215–23. https://doi.org/10.1007/s10194-012-0425-x.

 

Über die Autorin:

Dr. Gianna Kühn

Gianna ist im Forschungs- und Entwicklungs-Team von Perfood. Als promovierte Ernährungswissenschaftlerin kennt sie die positiven und negativen Einflüsse von Lebensmitteln und deren Nährstoffen auf Körper und Gesundheit. Damit ihr auch eure Ernährung optimieren und euren Körper besser verstehen könnt, teilt sie dieses Wissen in unseren Beiträgen und Programmen mit euch.

Weitere Blogbeiträge:

Weitere Kategorien

Du interessierst dich für unser Produkt und möchtest Bescheid bekommen, wann es erhältlich ist?
Dann trage dich in diese Liste ein.

Schau vorbei: